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Sexueller Missbrauch

Was ist Sexueller Missbrauch ? Und was tun ? PDF Drucken E-Mail

Sexueller Missbrauch bedeutet, dass ein Erwachsener oder Jugendlicher seine Machtposition, seine körperliche und geistige Überlegenheit sowie die Unwissenheit, das Vertrauen oder die Abhängigkeit eines Mädchens oder Jungen zur Befriedigung der eigenen sexuellen Bedürfnisse benutzt und gleichzeitig mit der Verpflichtung zur Geheimhaltung das Kind zu Sprach- und Hilflosigkeit verurteilt.

Sexuellen Missbrauch übt aus, wer:


ein Kind zur eigenen sexuellen Erregung anfasst oder sich berühren lässt;

ein Kind zwingt oder überredet, sie/ihn nackt zu betrachten oder bei sexuellen Aktivitäten zuzusehen;

Kinder für pornographische Zwecke benutzt oder ihnen Pornographie vorführt;

die Intimbereiche eines Kindes berührt und es zu oralem, analem, vaginalem Geschlechtsverkehr oder anderen sexuellen Praktiken zwingt oder überredet.
 
Missbrauchte Kinder leiden ein Leben lang. Der seelische Schaden ist unermesslich.

Sexuellen Missbrauch erfahren Kinder in sehr unterschiedlichen Formen. Die Taten finden in den überwiegenden Fällen im nahen Umfeld, überwiegend sogar in der eigenen Familie der Kinder statt.

Für diese Kinder gibt es kaum eine Möglichkeit, dem Missbrauch zu entkommen. Durch Drohungen und Geheimhaltungsdruck werden sie zum Schweigen gezwungen.

Der Missbrauch ist selten ein einmaliges Ereignis, sondern findet oft über Jahre hinweg statt. Die missbrauchten Kinder leben in einer ausweglosen Situation: Sie wünschen sich Liebe und Geborgenheit und erfahren Vertrauens-missbrauch, Ohnmacht, ständige Bedrohung und Gewalttätigkeit.
Diese widersprüchlichen Erfahrungen haben traumatisierende Wirkung und beeinträchtigen ihr ganzes Leben.

 

Was ist eigentlich normal, und wo beginnt sexueller Missbrauch?

 

Es gibt in der wissenschaftlichen Diskussion keine allgemeingültige oder verbindliche Definition von sexuellem Missbrauch. Wichtige Kriterien zur Einschätzung einer Handlung sind die Missachtung des kindlichen Willens, das subjektive Empfinden des Kindes, missbraucht zu werden, die Entwürdigung durch Blicke und Worte, der Altersunterschied zwischen Opfer und Täter sowie Zwang und Gewalt.

Eine Beispiel aus dem Alltag soll diese Grenz zwischen Normalität und Missbrauch verdeutlichen:
"So kann es durchaus vorkommen, dass z.B. die kleine Tochter beim morgendlichen Toben den erigierten Penis des Vaters anfasst. Diese Situation ist harmlos, bliebe es dabei. Wenn jedoch der Vater im Folgenden bewusst Gelegenheiten sucht, der Tochter ungestört und heimlich seinen Penis zu zeigen, und sie nötigt, diesen anzufassen, so ist das der Anfang des sexuellen Missbrauchs.....Sexueller Missbrauch bedeutet, dass der Täter das Vertrauen, die Abhängigkeit und die Sexualität des Mädchens missbraucht und kindliche Gefühle für seine Interessen benutzt. Sexuelle Übergriffe geschehen immer unter Ausnutzung der Macht und Autoritätsstellung seitens des Täters. In diesem Sinne ist sexueller Missbrauch immer Gewaltanwendung, auch dann, wenn keine körperliche Gewalt zur Durchsetzung der Interessen des Täters notwendig ist." (Steinhage, 1989, S.16f.)

Diese Definition gilt selbstverständlich auch für den Missbrauch an Jungen.

Die sogenannten "Doktorspiele" unter Kindern sind keinesfalls mit sexueller Gewalt gleichzusetzen. Sie sind völlig normal und gehören zur Persönlichkeitsentwicklung. Solange sie auf den Grundsäulen der Freiwilligkeit, Altersgleichheit und Gewaltlosigkeit beruhen, sind sie "normal". Erst wenn Gewalt und Drohungen ins Spiel kommen, ist von sexuellen Übergriffen zu sprechen.


Woran kann ich erkennen, ob ein Kind missbraucht wird?

 

Nach dem augenblicklichen Wissensstand gibt es keine spezifischen Symptome, die eindeutige Hinweise auf sexuellen Missbrauch sind. Die unverfälschte Erinnerung und die darauf basierende Aussage des Kindes ist das wichtigste Beweismittel.

Bei plötzlich auftretenden Verhaltensauffälligkeiten bzw. -veränderungen von Kindern sollte sexueller Missbrauch als eine potentielle Ursache in Betracht gezogen werden. Verhaltensauffälligkeiten von Kindern, für die sich keine plausiblen Erklärungen in den Lebensumständen des Kindes finden, können einen ersten vagen Verdacht auf sexuellen Missbrauch begründen. Fachleute sind sich derzeit dahingehend einig, dass altersunangemessenes sexuelles Verhalten als ernstzunehmender Hinweis zu bewerten ist. Aber auch hier ist zu berücksichtigen, dass es für die Unterscheidung, was altersangemessen und was altersunangemessen ist, guter entwicklungspsychologischer Kenntnisse bedarf.

Grundsätzlich sollten Äußerungen und Verhaltensweisen von Kindern und Jugendlichen, die den Verdacht von sexuellem Missbrauch aufkommen lassen, immer ernstgenommen werden.

Jedes Mädchen/jeder Junge sendet entsprechend des persönlichen Entwicklungsstandes Hilferufe aus. Diese, oftmals als Verhaltensauffälligkeiten wahrgenommen Verhaltensweisen, sind für die Kinder lebensnotwendige Überlebensstrategien. Es ist die Aufgabe der Erwachsenen, diese ernst zu nehmen und Hilfe zu suchen.

 


Was tue ich, wenn ich sexuellen Missbrauch vermute?

 

Auch wenn es schwer fällt, die oberste Regel ist: Ruhe bewahren. Jedes übereilte Handeln schadet den betroffenen Kindern. Die Konfrontation mit sexuellem Missbrauch löst die unterschiedlichsten Gefühle aus. Das können Ohnmacht, Ekel, Trauer, Wut, Angst, Hilflosigkeit u.a. sein. Wichtig ist es, eine vertraute Person zu finden, mit der man über diese Gefühle und die eigenen Gedanken reden kann. Das eigene Handeln sollte immer vom Wohl des Kindes und niemals von den eigenen Bedürfnissen bestimmt sein.

Es ist ratsam, Kontakt zu einer Fachberatungsstelle aufzunehmen. In allen Großstädten, aber auch in vielen kleineren Städten, Gemeinden und Landkreisen gibt es mittlerweile Anlauf- und Beratungsstellen, die sich auf das Problem "Sexueller Missbrauch" spezialisiert haben. Die meisten Einrichtungen arbeiten vertraulich und auf Wunsch auch anonym. Auch die Mitarbeiterinnen von Dunkelziffer e.V. bieten diese Hilfe und helfen auch, Ansprechpartner vor Ort zu finden. Diese Fachberatungsstellen sind in den Gelben Seiten unter folgenden Stichworten zu finden oder auch im Internet (s. Links):

 


Beratungsstelle für Mädchen und Frauen

Deutscher Kinderschutzbund

Frauenhäuser

Jugendschutz

Kinderschutz

Kinderschutzzentrum

Kinderschutz-Ambulanz

Kindersorgentelefon

Mädchenhaus

Notruf für vergewaltigte Frauen und Mädchen e.V.

Pro Familia

Viele der Erziehungs- und Familienberatungsstellen freier und öffentlicher Träger bieten ebenfalls Beratung bei sexuellem Missbrauch an. Oder fragen Sie in Ihrem Jugendamt/Allgemeinen Sozialdienst nach Adressen von speziellen Beratungsstellen. Oft können Sie auch in den Jugendämtern kompetente Ansprechpartner/-innen finden.

Wenn ein Verdacht auf sexuellen Missbrauch besteht, ist ein sehr sorgfältiger Abklärungsprozess vorzunehmen, der zumeist die Zusammenarbeit von Fachleuten erfordert. 


Was soll ich tun, wenn ich weiß, dass ein Kind sexuell missbraucht wird?

 

Jede Intervention bei sexuellem Missbrauch muss gründlich geplant und vorbereitet werden, um weiteren Schaden vom Kind abzuwenden. Eine Intervention besteht dabei aus mehreren Stufen:

In einem ersten Schritt geht es darum, sexuellen Missbrauch überhaupt wahrzunehmen und den Verdacht zu klären. Die zweite Phase, wenn ein erhärteter Verdacht bzw. Wissen über einen sexuellen Missbrauch vorliegt, bezieht sich auf Maßnahmen zum Schutz des Kindes und auf die Offenlegung gegenüber der Familie. In der dritten Phase stehen Hilfen bei der Bewältigung der Missbrauchserfahrung und weiterer Folgeprobleme im Mittelpunkt.

Ein Patentrezept für die "ideale Intervention" gibt es nicht. Welche Hilfen im Einzelfall die richtigen sind, hängt vom Alter des Kindes, von der Dauer und der Schwere des Missbrauchs ab, sowie von der Beziehung des Kindes zum Missbraucher und den übrigen Lebensumständen des Kindes. Auch die Reaktion des nicht missbrauchenden Elternteils hat Einfluss auf die Intervention.

Alle Maßnahmen der Intervention müssen das Ziel verfolgen, den Schutz des Mädchens/des Jungens sicherzustellen, was in der Regel nur durch die Trennung von Opfer und Täter gewährleistet ist. Maßnahmen zum Schutz des Kindes müssen von den Sozialen Diensten bzw. dem Jugendamt veranlasst werden und zum Wohl des Kindes in einer multiprofessionellen Kooperation in den sog. Fall- oder Helferkonferenzen entwickelt werden.

Die Grundlage professionellen Handelns stellt eine genaue Dokumentation aller Beobachtungen, Informationen und Äußerungen des Kindes dar, die deutlich differenziert zwischen objektiven Informationen und persönlichen Einschätzungen und Bewertungen.